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Testosteronersatztherapie (TRT): was Sie wissen sollten

Testosteronersatztherapie (TRT): Wann sie laut Leitlinie infrage kommt, welche Formen es gibt, welche Kontrollen und Kontraindikationen gelten, was TRAVERSE zur Herzsicherheit zeigt und was beim Absetzen passiert.

Testosteronersatztherapie (TRT): was Sie wissen sollten
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Worum es in diesem Ratgeber geht

Testosteronersatztherapie (TRT): Wann sie laut Leitlinie infrage kommt, welche Formen es gibt, welche Kontrollen und Kontraindikationen gelten, was TRAVERSE zur Herzsicherheit zeigt und was beim Absetzen passiert. Das hier ist eine informative Einordnung, keine medizinische Beratung und kein Ersatz für das Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Wir benennen offen, was die Studienlage zeigt, und was nicht.

Was eine Testosteronersatztherapie ist und wer sie bekommt

TRT steht für Testosterone Replacement Therapy, auf Deutsch Testosteronersatztherapie oder Testosteronsubstitution. Gemeint ist die ärztlich verordnete Gabe von Testosteron als Arzneimittel bei Männern mit nachgewiesenem Hypogonadismus. Testosteron ist in Deutschland verschreibungspflichtig; eine Anwendung ohne Rezept ist weder legal noch sicher.

Wer bekommt sie? Die Leitlinie der European Association of Urology (EAU) nennt Männer mit symptomatischem Hypogonadismus und einem Gesamt-Testosteron unter 12 nmol/l (3,5 ng/ml) ohne Kontraindikationen als geeignete Kandidaten. Die Endocrine Society verlangt für die Diagnose Symptome plus eindeutig und wiederholt niedrige Werte. Bei einem Ausgangswert über 12 nmol/l ist eine Testosterontherapie laut EAU unwirksam.

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) unterscheidet in ihrer Übersicht von 2021 zwei Gruppen. Die klassischen Ursachen, primärer und sekundärer Hypogonadismus, machen höchstens 5 Prozent der Fälle aus; hier ist die Therapie mit hoher Evidenz belegt und wird bei fehlenden Kontraindikationen lebenslang durchgeführt. Der Großteil der Fälle ist ein funktioneller Hypogonadismus. Das österreichische Gesundheitsportal gesundheit.gv.at stellt beim Altershypogonadismus deshalb Lebensstiländerungen an den Anfang: Bewegung, Ernährung, Gewichtsreduktion, Behandlung eines Diabetes.

Formen: Gel, Depotspritze, Kapseln, Pflaster

Testosteron-Gele sind laut EAU die am häufigsten verwendeten Präparate; sie werden täglich auf die Haut aufgetragen. Die AkdÄ empfiehlt, eine Therapie vorzugsweise mit Gelen zu beginnen, weil sie sich bei fehlender Wirkung leichter wieder absetzen lassen.

Depotspritzen mit lang wirksamem Testosteronundecanoat werden laut EAU nach einer Aufsättigungsdosis nach sechs Wochen zunächst alle 12 Wochen gegeben; das Intervall wird anhand des Talspiegels vor der nächsten Injektion nach drei bis fünf Injektionen auf 10 bis 14 Wochen angepasst.

Orale Kapseln mit Testosteronundecanoat gibt es ebenfalls; die EAU beschreibt eine neuere Kapselform mit verbesserter Aufnahme, die in den USA zugelassen ist und bei mehr als 80 Prozent der Männer stabile Tagesmittelwerte erreicht. Das IQWiG nennt außerdem Pflaster. Welche Form passt, entscheidet die ärztliche Behandlung; die Endocrine Society nennt als Kriterien Patientenpräferenz, Pharmakokinetik, präparatspezifische Nebenwirkungen, Behandlungsaufwand und Kosten.

Dosierung und Zielbereich

Eine TRT wird nicht nach Gefühl dosiert, sondern nach Laborwert. Die EAU nennt als therapeutischen Bereich üblicherweise über 12 und unter 18 nmol/l. Die Endocrine Society empfiehlt, Testosteronwerte im mittleren Normbereich anzustreben.

In der TRAVERSE-Studie wurde die Gel-Dosis so angepasst, dass der Wert zwischen 350 und 750 ng/dl lag, umgerechnet 12,1 bis 26,0 nmol/l. Dosisänderungen gehören in ärztliche Hände; wer selbst höher dosiert, verlässt den Bereich, für den Nutzen und Sicherheit untersucht sind.

Kontraindikationen: wer keine TRT bekommen soll

Absolute Kontraindikationen sind laut EAU unbehandelter Brust- und Prostatakrebs. Die Endocrine Society rät außerdem von einem Therapiebeginn ab bei Männern, die in naher Zukunft Kinder planen, bei tastbarem Prostataknoten, bei einem PSA-Wert über 4 ng/ml (über 3 ng/ml bei erhöhtem Prostatakrebsrisiko) ohne urologische Abklärung, bei erhöhtem Hämatokrit, unbehandelter schwerer Schlafapnoe, schweren Beschwerden beim Wasserlassen, unkontrollierter Herzinsuffizienz, Herzinfarkt oder Schlaganfall in den letzten sechs Monaten und bei Thrombophilie.

Die AkdÄ führt als absolute Kontraindikationen unter anderem (Verdacht auf) Prostata- oder Brustkrebs, Kinderwunsch und eine Polyglobulie mit Hämatokrit über 50 Prozent auf; als relative Kontraindikationen unter anderem Herzinsuffizienz NYHA IV, ausgeprägte Akne, Gynäkomastie, benigne Prostatahyperplasie und die Teilnahme an Sportarten mit Dopingkontrolle. Das österreichische Gesundheitsportal nennt zusätzlich die obstruktive Schlafapnoe.

Kontrollen während der Therapie: was wann gemessen wird

Die EAU empfiehlt, Testosteron und Hämatokrit drei, sechs und zwölf Monate nach Therapiebeginn zu kontrollieren, danach jährlich. Ein Hämatokrit über 54 Prozent erfordert eine Dosisanpassung oder das Absetzen, bei Bedarf einen Aderlass; nach Normalisierung kann die Therapie in niedrigerer Dosis wieder begonnen werden. Vor Beginn soll das kardiovaskuläre Risiko erfasst und eine familiäre Thromboseneigung ausgeschlossen werden.

Die Endocrine Society sieht im ersten Jahr einen festen Plan vor: Symptome, Nebenwirkungen und Einnahmetreue prüfen, Testosteron und Hämatokrit messen, Prostatakrebsrisiko bewerten. Die AkdÄ nennt nach Leitlinie regelmäßige, alle drei Monate, rektale Untersuchungen sowie PSA und Blutbild; eine urologische Vorstellung soll bei PSA über 4 ng/ml, einem PSA-Anstieg über 1,4 ng/ml in einem Jahr oder über 0,4 ng/ml pro Jahr erfolgen.

Wann wirkt es? Das österreichische Gesundheitsportal nennt eine Besserung der Beschwerden üblicherweise innerhalb von drei bis sechs Monaten. Die AkdÄ zieht daraus die Konsequenz: Tritt nach sechs beziehungsweise zwölf Monaten keine klinische Besserung ein, soll die Therapie wieder abgesetzt werden.

Kontrollplan unter Testosteronersatztherapie nach EAU-Leitlinie
ZeitpunktWas kontrolliert wirdGrenze
vor BeginnGesamt-Testosteron an zwei Terminen, Hämatokrit, PSA, kardiovaskuläres RisikoGesamt-Testosteron unter 12 nmol/l
3 MonateTestosteron, HämatokritZielbereich über 12 und unter 18 nmol/l
6 MonateTestosteron, HämatokritHämatokrit über 54 Prozent: Dosis anpassen oder absetzen
12 MonateTestosteron, Hämatokrit; PSA bei Prostatakrebs-Überlebenden auch nach 3 und 6 MonatenPSA über 4 ng/ml: urologische Abklärung (AkdÄ)
danachjährlich Testosteron und Hämatokritkeine Besserung nach 6 bis 12 Monaten: absetzen (AkdÄ)
Zusammengestellt aus der EAU-Leitlinie Male Hypogonadism und der AkdÄ-Übersicht 2021. Der tatsächliche Plan wird von der behandelnden Praxis festgelegt.

Herz und Kreislauf: was die TRAVERSE-Studie zeigt

Die größte Sicherheitsstudie zur TRT ist TRAVERSE, veröffentlicht 2023 im New England Journal of Medicine. 5.246 Männer zwischen 45 und 80 Jahren mit bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung oder hohem Risiko, Symptomen eines Hypogonadismus und zwei Nüchternwerten unter 300 ng/dl erhielten täglich Testosteron-Gel oder Placebo. Die mittlere Behandlungsdauer betrug 21,7 Monate, die Nachbeobachtung 33,0 Monate.

Der primäre Endpunkt, Tod aus Herz-Kreislauf-Ursache, nicht tödlicher Herzinfarkt oder nicht tödlicher Schlaganfall, trat bei 7,0 Prozent der Männer unter Testosteron und 7,3 Prozent unter Placebo auf (Hazard Ratio 0,96; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,78 bis 1,17). Testosteron war damit in dieser Gruppe nicht unterlegen. Häufiger unter Testosteron waren Vorhofflimmern, akute Nierenschädigung und Lungenembolie.

Die EAU verlangt deshalb, vor Beginn die kardiovaskulären Risikofaktoren zu erfassen und Männer mit bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankung vor Therapiebeginn auf Symptome zu untersuchen und während der Therapie zu überwachen. Mehr zu den einzelnen Risiken steht im Beitrag zu den TRT-Nebenwirkungen.

TRT und Fruchtbarkeit

Von außen zugeführtes Testosteron unterdrückt die Steuerhormone der Hypophyse und damit die eigene Spermienproduktion. Die AkdÄ führt Kinderwunsch deshalb als absolute Kontraindikation. Die Endocrine Society rät vom Therapiebeginn ab, wenn in naher Zukunft Kinder geplant sind.

Wie lange die Erholung dauert, zeigt die Analyse von Liu und Kollegen von 2006 aus 30 Studien mit 1.549 Männern, die Testosteron zur hormonellen Verhütung erhalten hatten: Die mittlere Zeit bis zur Erholung auf 20 Millionen Spermien pro Milliliter betrug 3,4 Monate. 67 Prozent hatten diesen Wert nach 6 Monaten erreicht, 90 Prozent nach 12 und 100 Prozent nach 24 Monaten. Kürzere Behandlungsdauer und kürzer wirksame Präparate gingen mit schnellerer Erholung einher. Mehr dazu im Beitrag zu TRT und Fruchtbarkeit.

TRT absetzen: was dabei passiert

Die AkdÄ beschreibt, dass intramuskuläre Präparate (Testosteronenanthat, Testosteronundecanoat) meist die LH-Ausschüttung unterdrücken und beim Absetzen einen vorübergehenden, durch die Therapie selbst verursachten Hypogonadismus auslösen. Deshalb empfiehlt sie, einen Therapieversuch beim funktionellen Hypogonadismus mit Gelen zu machen.

Ein Absetzen gehört ärztlich begleitet. Anlässe sind nach den Leitlinien fehlende Besserung nach 6 bis 12 Monaten, ein Hämatokrit über 54 Prozent oder neu aufgetretene Kontraindikationen. Beim klassischen Hypogonadismus ist die Therapie laut AkdÄ dagegen lebenslang angelegt; hier bedeutet Absetzen die Rückkehr des Mangels.

Kosten und Krankenkasse

Für Deutschland gibt es keine öffentlich belegte Preisangabe, die für alle Präparate gilt; die Kosten hängen von Präparat, Dosis und Intervall ab, und die Endocrine Society nennt die Kosten ausdrücklich als Kriterium bei der Wahl der Darreichungsform. Was sich beziffern lässt, sind die Laborkontrollen: Das Labor Leipzig gibt für die Privatabrechnung 20,40 Euro für Gesamt-Testosteron und 26,23 Euro für SHBG an (GOÄ 1-fach), für die Kassenabrechnung die EBM-Ziffern 32358 und 32360.

Das österreichische Gesundheitsportal schreibt, dass notwendige Diagnostik und Therapie dort von der Sozialversicherung übernommen werden, teils mit Selbstbehalt. Für Deutschland gilt: Ohne gesicherte Diagnose gibt es kein Rezept. Fragen zur Erstattung eines bestimmten Präparats beantwortet die verordnende Praxis oder die Krankenkasse.

TRT ist keine Steroidkur

Eine TRT ersetzt ein fehlendes Hormon bis in den Normbereich, über 12 und unter 18 nmol/l laut EAU. Eine Steroidkur führt Dosen oberhalb des Normbereichs zu, ohne Diagnose und ohne Kontrollen. Das Anti-Doping-Gesetz stellt unter anderem den Erwerb und Besitz nicht geringer Mengen zu Dopingzwecken unter Strafe.

Die AkdÄ nennt die Teilnahme an Sportarten mit Dopingkontrolle als relative Kontraindikation. Wer Leistungssport betreibt, spricht das vor Therapiebeginn an. Diese Seite informiert; sie ersetzt keine ärztliche Beratung und wirbt für kein Arzneimittel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nur bei diagnostiziertem Mangel. Eine TRT kommt laut EAU infrage bei symptomatischem Hypogonadismus mit Gesamt-Testosteron unter 12 nmol/l und ohne Kontraindikationen. Bei Werten über 12 nmol/l ist sie unwirksam. Sie ist keine Anti-Aging-Maßnahme für Männer mit normalem Wert.
  • Verschreibungspflichtig und ärztlich begleitet. Testosteronpräparate sind verschreibungspflichtige Arzneimittel. Kontrolliert werden Testosteron und Hämatokrit nach 3, 6 und 12 Monaten und dann jährlich, dazu PSA und Blutbild (EAU, AkdÄ).
  • Verschiedene Darreichungsformen. Gele (am häufigsten, täglich), Depotspritzen alle 10 bis 14 Wochen, Kapseln und Pflaster. Die AkdÄ empfiehlt den Beginn mit Gelen, weil sie sich leichter wieder absetzen lassen.
  • Herzsicherheit: TRAVERSE. 5.246 Männer mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko: schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse bei 7,0 Prozent unter Testosteron und 7,3 Prozent unter Placebo. Häufiger unter Testosteron: Vorhofflimmern, akute Nierenschädigung, Lungenembolie.
  • Fruchtbarkeit und Absetzen. Kinderwunsch ist eine absolute Kontraindikation (AkdÄ). Nach Absetzen erholt sich die Spermienproduktion im Mittel in 3,4 Monaten, bei 90 Prozent innerhalb von 12 Monaten (Liu 2006). Depotspritzen können nach dem Absetzen einen vorübergehenden Hypogonadismus auslösen.

Häufige Fragen

Wann ist eine Testosterontherapie sinnvoll?

Wenn ein Hypogonadismus vorliegt: wiederholt niedrige Werte, nach EAU unter 12 nmol/l, zusammen mit typischen Symptomen, und keine Kontraindikationen bestehen. Für Männer mit normalem Testosteronspiegel, die sich mehr Energie oder Muskeln wünschen, ist eine TRT laut EAU unwirksam und nicht angezeigt.

Was kostet eine TRT?

Eine belegte Preisangabe für alle Präparate gibt es nicht; die Kosten hängen von Präparat, Dosis und Intervall ab. Beziffern lassen sich die Laborkontrollen: Gesamt-Testosteron 20,40 Euro und SHBG 26,23 Euro nach GOÄ (Labor Leipzig, Stand Dezember 2024). Ob die Krankenkasse ein bestimmtes Präparat erstattet, klärt die verordnende Praxis.

Wie oft muss man unter TRT zur Kontrolle?

Nach der EAU-Leitlinie werden Testosteron und Hämatokrit 3, 6 und 12 Monate nach Beginn kontrolliert, danach jährlich. Die AkdÄ nennt zusätzlich regelmäßige PSA-Bestimmungen, Blutbild und rektale Untersuchungen. Ein Hämatokrit über 54 Prozent erfordert eine Dosisanpassung oder das Absetzen.

Was passiert, wenn man TRT absetzt?

Nach Depotspritzen kann laut AkdÄ ein vorübergehender Hypogonadismus auftreten, weil die eigene LH-Ausschüttung unterdrückt war. Die Spermienproduktion erholt sich nach Liu 2006 im Mittel in 3,4 Monaten, bei 100 Prozent der Männer innerhalb von 24 Monaten. Beim klassischen Hypogonadismus kehrt der Mangel zurück; das Absetzen gehört ärztlich begleitet.

Kann ich Testosteron rezeptfrei kaufen?

Nein. Testosteron ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel und darf nicht ohne ärztliche Verordnung angewendet werden. Angebote, die Testosteron rezeptfrei versprechen, sind unseriös und gefährlich. Rezeptfrei erhältlich sind nur Nahrungsergänzungsmittel, die keine Therapie ersetzen.

Macht eine TRT unfruchtbar?

Während der Therapie ist die Spermienproduktion unterdrückt; Kinderwunsch ist laut AkdÄ eine absolute Kontraindikation. Nach dem Absetzen erholte sich die Spermienzahl in der Analyse von Liu 2006 bei 67 Prozent innerhalb von 6 Monaten, bei 90 Prozent innerhalb von 12 und bei 100 Prozent innerhalb von 24 Monaten.

Welcher Arzt verschreibt eine TRT?

Die Diagnostik und Verordnung übernehmen in der Regel Urologie, Andrologie oder Endokrinologie; die Hausarztpraxis kann die erste Blutentnahme veranlassen und überweisen. Die AkdÄ beschreibt die andrologische Abklärung als Standardweg.

Quellen

Weiterlesen

Keine medizinische Beratung. Die Inhalte auf Testo-Journal dienen ausschließlich der Information. Konsultieren Sie immer Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, bevor Sie ein Nahrungsergänzungsmittel einnehmen oder bei anhaltenden Beschwerden. Siehe unseren vollständigen medizinischen Hinweis.