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Worum es in diesem Ratgeber geht
Welche injizierbaren Testosteronpräparate in Deutschland zugelassen sind, welche Injektionsabstände die Fachinformationen nennen und warum Enantat und Undecanoat so weit auseinanderliegen. Das hier ist eine informative Einordnung, keine medizinische Beratung und kein Ersatz für das Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Wir benennen offen, was die Studienlage zeigt, und was nicht.
Worum es auf dieser Seite geht
Testosteron zum Spritzen bedeutet in Deutschland immer dasselbe: ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, das in einen Muskel injiziert wird. Diese Seite erklärt, welche Wirkstoffformen es dafür gibt und warum die zugelassenen Abstände zwischen zwei Injektionen zwischen zwei Wochen und dreieinhalb Monaten liegen.
Das ist eine Einordnung und keine Anleitung. Welches Präparat, welche Menge und welcher Abstand im Einzelfall passen, legt die verordnende Ärztin oder der verordnende Arzt fest, und zwar anhand von Beschwerden und Blutwerten. Eine Tabelle im Internet kann das nicht ersetzen und soll es nicht.
Ob eine Testosteronersatztherapie überhaupt infrage kommt, behandeln wir an anderer Stelle, ebenso die Nebenwirkungen und die Frage, was mit der Fruchtbarkeit passiert. Hier geht es allein um die Darreichungsform.
Zwei Ester, zwei Zulassungen
Injizierbares Testosteron gibt es in Deutschland im Wesentlichen als zwei Wirkstoffe, und der Unterschied zwischen ihnen ist kein Qualitätsunterschied, sondern ein chemischer.
Das erste ist Testosteronenantat. Die Fachinformation eines in Deutschland zugelassenen Präparats nennt 250 mg Testosteronenantat pro Milliliter öliger Injektionslösung. Als Anwendungsgebiet steht dort die Testosteronersatztherapie bei männlichem Hypogonadismus, wenn der Testosteronmangel klinisch und labormedizinisch bestätigt wurde. Zur Dosierung heißt es: initial eine Ampulle intramuskulär alle zwei bis drei Wochen, zur Erhaltung eines ausreichenden Androgeneffekts bei Erwachsenen eine Ampulle alle drei bis vier Wochen. Je nach individuellem Hormonbedarf könnten kürzere oder längere Abstände notwendig sein.
Das zweite ist Testosteronundecanoat. Hier enthält ein Milliliter 250 mg Testosteronundecanoat, was 157,9 mg Testosteron entspricht; eine Ampulle mit 4 ml enthält 1000 mg Undecanoat, entsprechend 631,5 mg Testosteron. Die Gebrauchsinformation beschreibt, dass die Injektionen alle 10 bis 14 Wochen gegeben werden und dass das genügt, um ausreichende Testosteronwerte aufrechtzuerhalten.
Ein Unterschied steht nicht in der Dosierungstabelle, sondern im Zulassungstext. Das Enantat-Präparat ist laut Fachinformation zur Anwendung bei Männern und bei Jungen ab sechs Jahren zugelassen und nennt neben der Ersatztherapie zwei weitere Anwendungsgebiete: die Pubertätsinduktion bei Jungen mit Pubertas tarda und die Unterdrückung eines übermäßigen Längenwachstums bei Jungen. Für diese Indikationen nennt die Fachinformation ausdrücklich andere, deutlich niedrigere Mengen und verweist auf eine Behandlung durch Ärzte mit Erfahrung in pädiatrischer Endokrinologie. Das Undecanoat ist dagegen auf die Ersatztherapie bei erwachsenen Männern beschränkt.
Beide Wirkstoffe sind nicht an eine einzige Marke gebunden. Zum Undecanoat gibt es neben dem Originalpräparat mehrere Generika, zum Enantat mehrere Depotpräparate mit 250 mg pro Milliliter. Der Name auf der Ampulle sagt deshalb weniger über die Behandlung als der Wirkstoff und das Intervall.
Warum die Abstände so weit auseinanderliegen
Die Erklärung steht in der Fachinformation selbst, und sie ist überraschend knapp. Reines Testosteron, in den Muskel gespritzt, hat eine Halbwertzeit von nur etwa zehn Minuten. Allein wäre es als Depot völlig unbrauchbar.
Durch die Veresterung des Moleküls lässt sich dagegen ein Depoteffekt erzielen, und dieser Depoteffekt hängt von der Länge der veresterten Seitenkette ab: Er nimmt mit steigender Kettenlänge zu. Das ist der ganze Unterschied zwischen den beiden Präparateklassen. Nicht die Stärke, sondern die Freisetzung.
Für Enantat beschreibt die Fachinformation den Verlauf genau. Nach der intramuskulären Gabe ist der Serumtestosteronspiegel 12 bis 14 Tage erhöht. 24 Stunden nach der Injektion werden maximale Konzentrationen im supraphysiologischen Bereich erreicht, danach fällt der Wert mit einer Halbwertzeit von acht Tagen wieder auf das Ausgangsniveau zurück.
Undecanoat hat die längere Seitenkette. Die Gebrauchsinformation beschreibt entsprechend, dass das Präparat im Muskel gespeichert und allmählich über einen längeren Zeitraum freigesetzt wird, und hält fest, dass bei dem Intervall von 10 bis 14 Wochen keine Anhäufung von Testosteron im Blut auftritt.
Daraus folgt eine Sache, die im Alltag wichtiger ist als die Zahl selbst: Beim kurzen Ester schwankt der Spiegel innerhalb eines Intervalls deutlich, beim langen ist die Kurve flacher. Deshalb hängt es von der Präparateklasse ab, wann eine Blutabnahme überhaupt etwas aussagt.
Was außer Testosteron in der Ampulle steckt
Beide Präparateklassen sind ölige Lösungen, und das hat praktische Folgen, die auf den Packungen selten jemand liest.
Das Enantat-Präparat enthält laut Fachinformation 342 mg Benzylbenzoat pro Ampulle mit einem Milliliter, dazu raffiniertes Rizinusöl. Beim Undecanoat sind es 2000 mg Benzylbenzoat in jeder Ampulle mit 4 ml, also 500 mg pro Milliliter, ebenfalls mit raffiniertem Rizinusöl. Beschrieben wird eine klare, gelbliche ölige Lösung.
Deshalb schreiben beide Fachinformationen dasselbe Vorgehen vor: exakt intramuskulär, sehr langsam, tief in den Gesäßmuskel und unter Vermeidung einer Injektion in ein Blutgefäß. Die Enantat-Fachinformation hält fest, dass sich die in seltenen Fällen auftretenden kurzen Reaktionen wie Hustenreiz, Hustenanfälle und Atemnot erfahrungsgemäß durch sehr langsames Injizieren vermeiden lassen.
Als seltene Nebenwirkung, die bis zu einen von 1000 Patienten betreffen kann, nennt die Gebrauchsinformation des Undecanoats, dass die ölige Flüssigkeit in die Lungen gelangen kann. Diese pulmonale Mikroembolie durch ölige Lösungen kann zu Husten, Atemnot, Unwohlsein, starkem Schwitzen, Schmerzen im Brustraum, Schwindel, Ameisenlaufen und Ohnmacht führen, während oder unmittelbar nach der Injektion, und ist reversibel. Zusätzlich wurden Verdachtsfälle von anaphylaktischen Reaktionen berichtet.
Das ist der sachliche Grund, warum diese Injektionen in einer Praxis gesetzt werden und nicht am Küchentisch.
Wer das Intervall festlegt, und woran
Das Intervall ist in den Fachinformationen ein Bereich, kein fester Wert, und es wird an Messwerten ausgerichtet.
Vor dem Beginn steht die Diagnose. Die Gebrauchsinformation des Undecanoats verlangt, dass der Testosteronmangel durch zwei voneinander unabhängige Bestimmungen der Testosteronkonzentration im Blut bestätigt wird und dass zusätzlich bestimmte klinische Anzeichen vorliegen. Die Enantat-Fachinformation hält fest, dass die Serumspiegel vor Beginn und während der Einleitung der Therapie zu bestimmen sind.
In der Erhaltungsphase beschreibt die Gebrauchsinformation den Ablauf so: Das Injektionsintervall soll innerhalb des empfohlenen Bereichs von 10 bis 14 Wochen bleiben, die Konzentration wird jeweils am Ende eines Intervalls bestimmt, und bei zu niedrigen Werten kann häufiger, bei zu hohen seltener injiziert werden. Beim Enantat steht der entsprechende Satz zum individuellen Hormonbedarf.
Mitgeprüft wird außerdem mehr als nur der Testosteronwert. Unter einer Androgen-Langzeittherapie sollen regelmäßig Hämoglobin, Hämatokrit, Leberfunktionstests und das Lipidprofil kontrolliert werden, dazu kommen Untersuchungen der Prostata und der Brust mit digitaler rektaler Untersuchung und PSA-Bestimmung, mindestens einmal jährlich und zweimal jährlich bei älteren und bei Risikopatienten.
Anders gesagt: Nicht das Präparat bestimmt das Intervall, sondern die Werte im vorgegebenen Rahmen des Präparats.
Gel oder Spritze ist keine Rangfolge
Testosteron wird nicht nur injiziert. Es gibt auch Zubereitungen zur Anwendung auf der Haut, und die Wirkstoffdatenbank Gelbe Liste führt beide Anwendungsarten nebeneinander.
Welche Form passt, ist keine Frage von besser oder schlechter. Tägliche Zubereitungen erlauben eine feinere Steuerung und lassen sich schneller absetzen, Depotspritzen ersparen die tägliche Anwendung. Beides hat Nachteile, und beide Nachteile wiegen bei verschiedenen Menschen verschieden.
Was dagegen keine Rolle spielen sollte, ist die Vorstellung, eine Injektion sei die wirksamere Variante, weil sie nach mehr aussieht. Beide Wege zielen auf denselben Serumspiegel.
Was hier nicht steht, und warum
Diese Seite nennt keinen Bezugsweg und keine Dosierungsempfehlung. Testosteronhaltige Arzneimittel sind verschreibungspflichtig, und die Werbung dafür gegenüber Verbrauchern ist nach dem Heilmittelwerbegesetz nicht zulässig. Angebote, die Testosteron zum Spritzen ohne Rezept versprechen, sind deshalb nicht der kürzere Weg zur Therapie, sondern ein anderes Problem.
Auch die drei Fragen, die Leser an dieser Stelle am häufigsten mitbringen, gehören nicht hierher. Ob eine Therapie angezeigt ist, steht in unserem Text zur Testosteronersatztherapie. Welche unerwünschten Wirkungen beschrieben sind und was dabei kontrolliert wird, steht im Text zu den Nebenwirkungen. Was mit der Spermienbildung passiert und wie weit sie sich zurückbildet, steht im Text zur Fruchtbarkeit.
Was bleibt, ist der schlichte Kern dieser Seite: Zwei Ester, zwei Freisetzungsprofile, zwei Intervallbereiche. Alles Weitere ist eine Entscheidung, die in der Praxis getroffen wird.
Häufige Fragen
Wie oft wird Testosteron gespritzt?
Das hängt vom Wirkstoff ab. Für Testosteronenantat nennt die Fachinformation initial eine Ampulle intramuskulär alle zwei bis drei Wochen und zur Erhaltung alle drei bis vier Wochen. Für Testosteronundecanoat beschreibt die Gebrauchsinformation Injektionen alle 10 bis 14 Wochen. Der tatsächliche Abstand wird ärztlich anhand der Blutwerte festgelegt.
Warum wirkt Testosteronundecanoat so viel länger als Enantat?
Wegen der Länge der veresterten Seitenkette. Die Fachinformation hält fest, dass der Depoteffekt intramuskulär injizierbarer Steroidhormone von der Kettenlänge abhängt und mit ihr zunimmt. Reines Testosteron hätte im Muskel eine Halbwertzeit von nur etwa zehn Minuten.
Was passiert nach einer Enantat-Injektion im Blut?
Nach der Fachinformation ist der Serumtestosteronspiegel 12 bis 14 Tage erhöht. Die maximalen Konzentrationen werden 24 Stunden nach der Injektion erreicht und liegen dann im supraphysiologischen Bereich, danach fällt der Wert mit einer Halbwertzeit von acht Tagen auf das Ausgangsniveau zurück.
Warum muss die Injektion so langsam erfolgen?
Weil es sich um ölige Lösungen handelt. Beide Fachinformationen schreiben eine exakt intramuskuläre, sehr langsame Injektion tief in den Gesäßmuskel vor und warnen vor einer Injektion in ein Blutgefäß. Als seltene Nebenwirkung, die bis zu einen von 1000 Patienten betreffen kann, ist eine pulmonale Mikroembolie durch ölige Lösungen beschrieben.
Kann man sich Testosteron selbst spritzen?
Die Fachinformationen beschreiben die Anwendung als ärztliche Injektion mit festgelegten Vorsichtsmaßnahmen und mit Laborkontrollen am Ende jedes Intervalls. Testosteron ist verschreibungspflichtig. Diese Seite informiert über die zugelassenen Darreichungsformen und ersetzt kein ärztliches Gespräch.
Quellen
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