Testo-Journal.de
Grundlagen & Werte

Testosteron senken bei Frauen: welche Behandlung wann infrage kommt

Erhöhte männliche Hormone bei Frauen gehen meist auf ein PCO-Syndrom zurück. Welche Schritte die Leitlinien vorsehen, von Gewicht und Pille bis zu Antiandrogenen, und wo pflanzliche Mittel stehen.

Zuletzt geprüft am
Auf dieser Seite

Worum es in diesem Ratgeber geht

Erhöhte männliche Hormone bei Frauen gehen meist auf ein PCO-Syndrom zurück. Welche Schritte die Leitlinien vorsehen, von Gewicht und Pille bis zu Antiandrogenen, und wo pflanzliche Mittel stehen. Das hier ist eine informative Einordnung, keine medizinische Beratung und kein Ersatz für das Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Wir benennen offen, was die Studienlage zeigt, und was nicht.

Die kurze Antwort

Wenn bei einer Frau von zu viel Testosteron die Rede ist, steckt in den meisten Fällen ein polyzystisches Ovarsyndrom dahinter, kurz PCOS. Behandelt wird dann selten der Laborwert an sich, sondern das, was er auslöst: vermehrte Behaarung an Kinn, Oberlippe oder Bauch, Akne, Haarausfall am Kopf und ein unregelmäßiger Zyklus.

Die Leitlinien sehen eine Reihenfolge vor. Zuerst wird die Ursache geklärt. Bei Übergewicht folgen Gewicht und Bewegung, dann meist die kombinierte Pille, und erst wenn sie nach sechs Monaten nicht ausreicht, ein zusätzliches Antiandrogen. Wer schwanger werden möchte, wird anders behandelt.

Diese Seite behandelt die Behandlung erhöhter Androgene. Welche Werte bei Frauen als normal gelten und was ein zu niedriger Wert bedeutet, steht in unserem Beitrag zu Testosteron bei der Frau.

Zuerst die Ursache: PCOS und seltenere Gründe

PCOS ist häufig. Die internationale Leitlinie von 2023 nennt eine Häufigkeit von 10 bis 13 Prozent der Frauen weltweit, das Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums 8 bis 13 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter. Dort heißt es auch, dass bis zu 70 Prozent der Fälle nicht erkannt werden.

Typische Zeichen sind ein unregelmäßiger oder ausbleibender Zyklus, vermehrte Behaarung an Oberlippe, Kinn, Rücken und im Schambereich, Akne und Übergewicht. Seltener kommen Haarausfall am Kopf, eine tiefere Stimme oder eine vergrößerte Klitoris hinzu. Nicht jede Frau hat alle Zeichen, und manche haben vor allem Zyklusprobleme.

Für die Diagnose achtet man auf drei Merkmale: einen dauerhaft unregelmäßigen oder ausbleibenden Zyklus, erhöhte männliche Hormone im Blut oder deren sichtbare Zeichen und zystenartige Bläschen an den Eierstöcken im Ultraschall. Eine einzelne Ursache für PCOS ist nicht bekannt. Vermutet wird eine erbliche Veranlagung, und viele Betroffene haben eine Insulinresistenz.

Seltener stammen die Androgene aus anderen Quellen: aus den Nebennieren, über Störungen der Hirnanhangdrüse, aus Medikamenten wie Testosteron oder Anabolika und in seltenen Fällen aus einem hormonbildenden Tumor der Eierstöcke oder Nebennieren. Das MSD Manual nennt als Warnzeichen eine Vermännlichung sowie ein plötzliches Auftreten und rasches Fortschreiten der Behaarung. Solche Verläufe gehören rasch ärztlich abgeklärt.

Auch der Laborwert gibt Hinweise. Nach dem MSD Manual wird bei einem Gesamttestosteron über 150 ng/dl, entsprechend 5,2 nmol/l, eine Bildgebung empfohlen, um einen Tumor im Becken oder an den Nebennieren auszuschließen.

Was Senken hier eigentlich bedeutet

Auf dieser Website geht es sonst meist um Männer mit zu wenig Testosteron. Bei Frauen mit erhöhten Androgenen ist die Lage umgekehrt, und auch die Logik ist eine andere. Ziel ist nicht ein bestimmter Zielwert im Labor, sondern weniger Wirkung der Hormone an Haut, Haarwurzeln und Eierstöcken.

Das erklärt, warum Laborwert und Beschwerden nicht immer zusammenpassen. Die Haarwurzel reagiert nicht nur auf die Menge der Androgene, sondern auch mit ihrer eigenen Empfindlichkeit, wie die Cochrane-Übersicht zu Spironolacton in ihrem Hintergrund festhält. Eine Frau, deren Werte innerhalb der Normwerte liegen, kann deutlich behaart sein, eine andere mit erhöhtem Wert kaum.

Die Endocrine Society rät deshalb, die Androgene bei allen Frauen mit einem auffälligen Behaarungswert zu messen, nicht aber bei Frauen mit regelmäßigem Zyklus und nur örtlich vermehrtem Haarwuchs. Neben dem Gesamttestosteron spielt dabei oft das SHBG eine Rolle, weil es bestimmt, wie viel Hormon frei verfügbar ist.

Gewicht und Lebensstil als erster Schritt

Zwischen 50 und 80 Prozent der Frauen mit PCOS sind übergewichtig. Übergewicht verstärkt die Beschwerden, und die Leitlinien setzen deshalb bei Frauen mit erhöhtem Gewicht zuerst auf Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderung. Nach dem Gesundheitsportal des Bundes kann bei manchen Frauen schon eine leichte Senkung des Body-Mass-Index die Beschwerden bessern.

Wie groß der Effekt ist, hat eine Cochrane-Übersicht von 2019 ausgewertet. Sie fasste 15 Studien mit 498 Teilnehmerinnen zusammen. Lebensstilprogramme senkten den freien Androgenindex um im Mittel 1,11 Punkte und das Gewicht um 1,68 Kilogramm. Die Autoren bewerten die Qualität der Evidenz als niedrig, vor allem wegen hoher oder unklarer Verzerrungsrisiken.

Bemerkenswert ist auch, was die Übersicht nicht beantworten konnte: Keine der Studien hatte untersucht, ob sich der Zyklus regelmäßiger einstellte oder wie viele Frauen ein Kind bekamen.

Das sind keine großen Zahlen. Der Schritt bleibt trotzdem der erste, weil er ohne Nebenwirkungen auskommt und zugleich die Stoffwechselrisiken anspricht, die mit PCOS verbunden sind.

Die Pille als erster medikamentöser Schritt

Für Frauen, die derzeit nicht schwanger werden möchten, ist die kombinierte Pille aus Östrogen und Gestagen die übliche erste Behandlung. Sie stabilisiert den Zyklus, senkt die Bildung männlicher Hormone und kann den Haarwuchs verringern. Die internationale PCOS-Leitlinie empfiehlt sie für Erwachsene mit Hirsutismus oder unregelmäßigem Zyklus, die Endocrine Society für die Mehrheit der Frauen mit behandlungsbedürftiger Behaarung.

Geduld gehört dazu. Haare wachsen in langen Zyklen, und beide Leitlinien sehen einen weiteren Schritt erst nach sechs Monaten vor. Ob die Pille im Einzelfall infrage kommt, hängt von möglichen Gegenanzeigen ab, und das klärt die Frauenärztin.

Metformin ist die Alternative, wenn die Pille nicht vertragen wird. Es verringert die Insulinresistenz und kann die männlichen Hormone senken. Gegen die Behaarung selbst ziehen beide Leitlinien die Pille vor, und die Endocrine Society rät von insulinsenkenden Mitteln zu diesem Zweck ab.

Fünf Stufen bei erhöhten Androgenen ohne Kinderwunsch: Ursache klären, bei Übergewicht Lebensstil, kombinierte Pille für mindestens sechs Monate, bei unzureichender Wirkung zusätzlich ein Antiandrogen nur mit sicherer Verhütung, ergänzend Laser oder andere Haarentfernung.
Die Reihenfolge nach den Leitlinien der Endocrine Society (2018) und der internationalen PCOS-Leitlinie (2023).

Antiandrogene: Spironolacton und Cyproteronacetat

Antiandrogene blockieren die Wirkung der männlichen Hormone am Gewebe. Die internationale Leitlinie sieht sie als zweite Stufe vor, wenn die Pille oder kosmetische Maßnahmen nach mindestens sechs Monaten nicht ausreichen. Beide Leitlinien verlangen dabei eine sichere Verhütung, und die Endocrine Society rät von einer Behandlung nur mit einem Antiandrogen ohne Verhütung ab. Eine Schwangerschaft muss unter diesen Mitteln ausgeschlossen sein.

Spironolacton ist ein Gegenspieler des Hormons Aldosteron, der zugleich antiandrogen wirkt. Die Cochrane-Übersicht dazu fand neun Studien. In zwei Studien gegen Placebo besserte sich die Behaarung nach dem Eindruck der Frauen deutlich häufiger, im standardisierten Behaarungswert war das Ergebnis weniger klar. Die Autoren sehen einige Belege für eine Wirkung und halten fest, dass Studien selten und klein sind.

Cyproteronacetat ist in niedriger Dosis von 1 oder 2 mg Bestandteil bestimmter Pillen. Für diese Kombinationen zeigen die Daten kein erhöhtes Meningeom-Risiko. In höheren Dosen hat die Europäische Arzneimittel-Agentur die Anwendung 2020 eingeschränkt, weil das Risiko für Meningeome steigt, gutartige Tumoren der Hirnhäute. Betroffen sein können 1 bis 10 von 10.000 Anwendenden, das Risiko wächst mit Dosis und Dauer. Präparate ab 10 mg täglich sollen bei Hirsutismus erst eingesetzt werden, wenn andere Behandlungen versagt haben. Die internationale Leitlinie rät von diesen Dosen ab.

Welches Mittel in welcher Dosis infrage kommt, entscheidet die behandelnde Ärztin. Alle genannten Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig.

Parallel zu jeder Hormonbehandlung bleibt die direkte Haarentfernung. Die Endocrine Society empfiehlt Frauen, die das wünschen, vor allem Laser- oder Lichtepilation, bei leichter Behaarung ohne Hinweis auf eine Hormonstörung auch als alleinige Maßnahme. Eine Creme mit dem Wirkstoff Eflornithin verlangsamt nach dem MSD Manual das Nachwachsen der Haare, ohne in den Hormonhaushalt einzugreifen.

Pflanzliche Mittel und Inositol

Gesucht wird oft nach einem Weg, Testosteron natürlich zu senken. Am häufigsten wird dabei Minztee genannt, genauer Grüne Minze. Eine britische Studie von 2010 ließ 42 Frauen mit PCOS 30 Tage lang zweimal täglich Minztee oder einen Placebotee trinken. Freies und Gesamttestosteron sanken unter Minztee, und die Frauen schätzten ihre Behaarung selbst als geringer ein. Im objektiven Behaarungswert zeigte sich kein Unterschied.

Eine Studie mit 42 Teilnehmerinnen und einem Monat Laufzeit reicht nicht für eine Empfehlung. Sie zeigt aber, dass ein Hormonwert sinken kann, ohne dass sich die sichtbare Behaarung in kurzer Zeit ändert.

Inositol wird häufig für PCOS beworben. Die internationale Leitlinie hält es nach persönlicher Präferenz für denkbar, beschreibt den Nutzen bei Eisprung, Behaarung und Gewicht aber als begrenzt und kann keine bestimmte Form oder Dosis empfehlen.

Mit Kinderwunsch ändert sich die Behandlung

Pille und Antiandrogene kommen nicht infrage, wenn eine Schwangerschaft gewünscht ist. Dann steht nicht die Senkung der Androgene im Vordergrund, sondern ein regelmäßiger Eisprung, der mit Medikamenten ausgelöst werden kann. Nach dem Gesundheitsportal des Bundes verbessert eine Gewichtsabnahme vor der Behandlung bei Übergewicht die Chancen auf eine Schwangerschaft.

Ein Gespräch in einer gynäkologischen oder endokrinologischen Praxis ist in jedem Fall der richtige Ort. Rezeptfreie Präparate zur Hormonsenkung ersetzen die Abklärung nicht.

Häufige Fragen

Wie kann eine Frau ihr Testosteron senken?

Nach den Leitlinien in Stufen: Ursache klären, bei Übergewicht Lebensstil und Gewicht, dann meist die kombinierte Pille und bei unzureichender Wirkung nach sechs Monaten zusätzlich ein Antiandrogen mit sicherer Verhütung. Die Entscheidung trifft die Frauenärztin oder Endokrinologin.

Was ist die häufigste Ursache für zu viel Testosteron bei Frauen?

Das polyzystische Ovarsyndrom. Es betrifft nach der internationalen Leitlinie 10 bis 13 Prozent der Frauen. Seltener sind Ursachen in den Nebennieren, Medikamente oder hormonbildende Tumoren, auf die eine rasche Vermännlichung hinweisen kann.

Hilft Abnehmen bei PCOS?

Bei Übergewicht ja, in begrenztem Umfang. Eine Cochrane-Übersicht mit 15 Studien fand unter Lebensstilprogrammen einen um 1,11 Punkte niedrigeren freien Androgenindex und 1,68 Kilogramm weniger Gewicht, bei niedriger Qualität der Evidenz.

Senkt Minztee das Testosteron?

In einer kleinen Studie mit 42 Frauen sanken freies und Gesamttestosteron nach 30 Tagen Tee aus Grüner Minze. Die objektiv gemessene Behaarung änderte sich in dieser Zeit nicht. Für eine Empfehlung reicht das nicht.

Wie schnell wirkt die Pille gegen vermehrte Behaarung?

Langsam, weil Haare in langen Zyklen wachsen. Beide Leitlinien sehen vor, die Wirkung über mindestens sechs Monate abzuwarten, bevor ein Antiandrogen ergänzt wird. Direkte Haarentfernung kann in dieser Zeit parallel genutzt werden.

Warum muss man unter Antiandrogenen verhüten?

Weil eine Schwangerschaft unter diesen Mitteln ausgeschlossen sein muss. Die Endocrine Society rät ausdrücklich von einer Behandlung nur mit einem Antiandrogen ohne sichere Verhütung ab, und die internationale PCOS-Leitlinie verlangt eine entsprechende Beratung.

Quellen

Weiterlesen

Keine medizinische Beratung. Die Inhalte auf Testo-Journal dienen ausschließlich der Information. Konsultieren Sie immer Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, bevor Sie ein Nahrungsergänzungsmittel einnehmen oder bei anhaltenden Beschwerden. Siehe unseren vollständigen medizinischen Hinweis.