Testo-Journal.de
Nahrungsergänzung & Booster

Shilajit-Testsieger: es gibt keinen, und das hat einen Grund

Kein unabhängiges Testinstitut hat Shilajit vergleichend geprüft. Was ein echter Test abdecken müsste, warum die Schwermetallbelastung dabei der entscheidende Punkt ist und welche Checkliste ein Ranking ersetzt.

Zuletzt geprüft am
Auf dieser Seite

Worum es in diesem Ratgeber geht

Kein unabhängiges Testinstitut hat Shilajit vergleichend geprüft. Was ein echter Test abdecken müsste, warum die Schwermetallbelastung dabei der entscheidende Punkt ist und welche Checkliste ein Ranking ersetzt. Das hier ist eine informative Einordnung, keine medizinische Beratung und kein Ersatz für das Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Wir benennen offen, was die Studienlage zeigt, und was nicht.

Die kurze Antwort

Nach einem Testsieger für Shilajit zu suchen, ist eine naheliegende Idee, und die Suche endet enttäuschend. Uns ist kein veröffentlichter vergleichender Produkttest eines unabhängigen deutschen Testinstituts zu dieser Produktgruppe bekannt.

Was man stattdessen findet, sind Vergleichsseiten mit Bestenlisten, Noten und Testsieger-Siegeln. Entscheidend ist dabei eine einzige Frage: Woher kommt die Note? Wo keine Laborprüfung gekaufter Chargen offengelegt wird, ist sie eine redaktionelle Einschätzung, und ein Siegel ohne eine Prüfung von außen ist eine Grafik.

Das ist kein Grund, das Thema abzuhaken. Es ist ein Grund, die Frage zu ändern: Nicht welches Produkt gewonnen hat, sondern was man an einem Produkt überhaupt prüfen kann. Darum geht es auf dieser Seite.

Warum dieser Test so schwer ist

Ein Produkttest braucht eine definierte Produktgruppe. Bei diesem Rohstoff fehlt genau das, und das steht nicht in einem Blog, sondern in einem Dokument der Europäischen Kommission.

In der Stellungnahme zum Novel-Food-Status von Mumijo, dem Synonym für Shilajit und Asphaltum panjabinum, heißt es, das Produkt sei weder in seiner Herkunft, also tierisch, pflanzlich oder mineralisch, noch in seiner Zusammensetzung eindeutig definiert. Beschrieben wird es als komplexes Produkt organischen und mineralischen Ursprungs, das in verschiedenen Gebirgsregionen der Erde durch natürliche Prozesse entsteht, charakterisiert durch Humin- und Fulvinsäuren, nichthumose Bestandteile und diverse Mineralien.

Dieselbe Stellungnahme hält den Status fest: Das Produkt ist nur dann nicht neuartig, wenn es als oder in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet wird. In anderen Lebensmitteln gilt es als neuartig und wäre zulassungspflichtig. Für Deutschland ergab die Prüfung keinen Nachweis eines nennenswerten Verzehrs in der Union vor dem 15. Mai 1997; Tschechien gab an, dass Mumijo dort vor diesem Datum in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet wurde.

Wenn der Rohstoff selbst nicht eindeutig definiert ist, vergleicht ein Test nicht Varianten desselben Produkts, sondern verschiedene Materialien unter einem gemeinsamen Namen. Ein Gesamturteil daraus wäre eine Scheingenauigkeit.

Dieselbe Lücke betrifft die Studienlage. Die einzige randomisierte, placebokontrollierte Studie mit dem Testosteronwert als Endpunkt arbeitete mit gereinigtem Shilajit einer definierten Qualität, 250 mg zweimal täglich über 90 Tage. Dieses Ergebnis lässt sich nicht auf ein beliebiges Produkt übertragen, weil es an genau die Materialqualität gebunden ist, die dort eingesetzt wurde. Ein Siegel kann diese Lücke nicht schließen, und eine Bestenliste schon gar nicht.

Was ein echter Test abdecken müsste

Man kann trotzdem benennen, wie eine belastbare Prüfung aussehen würde. Diese Liste ist zugleich der Maßstab, an dem sich jedes Siegel messen lässt, das Ihnen begegnet.

Erstens anonymer Einkauf. Gekauft wird wie ein normaler Kunde, nicht angefordert beim Hersteller. Zweitens mehrere Chargen pro Anbieter, weil bei einem Naturstoff die Charge und nicht die Marke das Ergebnis bestimmt. Drittens die Schwermetallanalyse als Hauptgegenstand, mit Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen einzeln ausgewiesen.

Viertens ein Abgleich mit den geltenden Höchstgehalten. Für Nahrungsergänzungsmittel sind sie in der Kontaminanten-Verordnung (EU) 2023/915 festgelegt: maximal 3,0 mg/kg Blei, maximal 1,0 mg/kg Cadmium und maximal 0,1 mg/kg Quecksilber. Höher belastete Produkte müssen vom Markt genommen werden.

Fünftens eine Wiederholung nach einigen Monaten, weil ein einmal unauffälliges Ergebnis bei schwankender Rohstoffqualität nichts über die nächste Lieferung sagt. Und sechstens eine Prüfung der Kennzeichnung: Menge pro Portion in Milligramm, nachvollziehbar, nicht als erbsengroße Angabe.

Erst wenn diese sechs Punkte erfüllt sind, trägt ein Urteil. Wer eine Bestenliste vor sich hat, kann sie daran prüfen: Welcher der sechs Punkte ist dort offengelegt?

Sechs Anforderungen an einen belastbaren Test: anonymer Einkauf, mehrere Chargen pro Anbieter, Schwermetalle einzeln, Abgleich mit den Höchstgehalten 3,0 mg/kg Blei, 1,0 mg/kg Cadmium und 0,1 mg/kg Quecksilber, Wiederholung nach Monaten, Prüfung der Mengenangabe.
Höchstgehalte für Nahrungsergänzungsmittel nach der Kontaminanten-Verordnung (EU) 2023/915.

Das reale Problem ist die Belastung, nicht das Ranking

Dass die Schwermetallanalyse im Zentrum steht und nicht Geschmack oder Preis, ist keine Vorsichtsfloskel. Für diese Produktgruppe ist es die dokumentierte Schwachstelle.

Die Verbraucherzentralen halten in ihrem Portal zu Nahrungsergänzungsmitteln fest, dass 2023 im europäischen Schnellwarnsystem viele Produkte aus Indien mit erhöhten Blei- und Quecksilbergehalten aufgefallen sind, und nennen ausdrücklich, dass auch Fulvinsäure bereits wegen zu hoher Schwermetallbelastungen aufgefallen ist. Fulvinsäure ist genau der Bestandteil, mit dem Shilajit beworben wird.

Zum Rohstoff selbst passt das. Eine Übersichtsarbeit von 2024 beschreibt rund 65 Metalle in Shilajit, und eine elementanalytische Arbeit von 2022 fand in zwei weltweit verkauften Sorten aus Indien und Pakistan unter anderem Blei, Arsen und Quecksilber oberhalb der zulässigen Grenzwerte. Die Zahlen dazu stehen in unserem Text zu den Nebenwirkungen; hier zählt nur die Folgerung.

Die Folgerung ist unbequem: Für diese Produktgruppe ist die Frage nach dem besten Anbieter weniger wichtig als die Frage, ob für Ihre Packung eine Analyse existiert. Ein Testsieger ohne Chargenanalyse wäre ein Urteil über das Etikett.

Was eine Prozentangabe zur Fulvinsäure wert ist

Auf vielen Packungen steht ein Fulvinsäuregehalt in Prozent, und in Bestenlisten wird daraus das Hauptkriterium. Dazu zwei nüchterne Punkte.

Ein verbindlicher Mindestgehalt ist nicht festgelegt. Die EU-Stellungnahme beschreibt Humin- und Fulvinsäuren als charakteristische Bestandteile, definiert aber keinen Gehalt, und für Nahrungsergänzungsmittel gibt es keine Vorgabe, die eine Prozentzahl überprüfbar machen würde. Welches Analyseverfahren hinter einer solchen Angabe steht, nennen die Packungen praktisch nie.

Und sie darf keinen Nutzen versprechen. Im EU-Register zugelassener Health Claims findet sich kein Eintrag für Shilajit oder Fulvinsäure. Eine gesundheitsbezogene Aussage dazu ist damit nicht zulässig, unabhängig davon, wie hoch die Prozentzahl ausfällt.

Praktisch heißt das: Eine hohe Prozentangabe ist kein Reinheitsnachweis. Sie sagt nichts darüber, was sonst in der Probe steckt, und genau das ist bei diesem Rohstoff die offene Frage.

Die Liste, die einen Testsieger ersetzt

Wenn kein Urteil von außen existiert, bleibt die eigene Prüfung. Sie ist kürzer, als es klingt.

Liegt für Ihre Packung ein aktuelles Analysenzertifikat eines unabhängigen Labors vor, mit einer Chargennummer, die auf der Packung steht? Sind Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen einzeln mit Messwerten aufgeführt und nicht als Sammelaussage? Ist das prüfende Labor benannt und nicht der Hersteller selbst? Steht die Menge pro Portion in Milligramm auf der Packung?

Vier Ja bedeuten, dass Sie wissen, was Sie haben. Ein Nein bei der ersten Frage macht die anderen drei überflüssig, und Begriffe wie gereinigt, laborgeprüft oder Himalaya-Qualität ersetzen das Zertifikat nicht, weil sie nicht geschützt sind.

Und eine Antwort gehört ausdrücklich dazu, auch wenn sie in keiner Bestenliste vorkommt: Für dieses Mittel ist der Verzicht eine vertretbare Entscheidung. Die Studienlage trägt keine der beworbenen Wirkungen zuverlässig, und das bekannte Hauptrisiko hängt nicht am Wirkstoff, sondern an der Herkunft des Materials. Wer sich dagegen entscheidet, verzichtet auf nichts Belegtes.

Alles Weitere steht bereits auf dieser Seite verteilt. Was zur Wirkung belegt ist, steht in unserem Text zu Shilajit. Was Anwender in Erfahrungsberichten schildern, haben wir getrennt eingeordnet, ebenso Harz, Pulver und Kapsel samt Mengen in der Einnahme, die mögliche Schwermetallbelastung in den Nebenwirkungen und die Lage im Regal von Rossmann und dm.

Häufige Fragen

Gibt es einen Shilajit-Testsieger von Stiftung Warentest?

Uns ist kein veröffentlichter vergleichender Produkttest eines unabhängigen deutschen Testinstituts zu Shilajit bekannt. Die Testsieger-Siegel auf Vergleichsseiten stammen aus redaktionellen Bestenlisten, oft provisionsfinanziert, und nicht aus Laboranalysen gekaufter Chargen.

Warum wird Shilajit nicht vergleichend getestet?

Ein Test braucht eine definierte Produktgruppe. In der Novel-Food-Stellungnahme der Europäischen Kommission heißt es, Mumijo sei weder in seiner Herkunft noch in seiner Zusammensetzung eindeutig definiert. Ein Gesamturteil über so unterschiedliche Materialien unter einem Namen wäre eine Scheingenauigkeit.

Welche Grenzwerte gelten für Schwermetalle in Shilajit?

Als Nahrungsergänzungsmittel gelten die Höchstgehalte der Kontaminanten-Verordnung (EU) 2023/915: maximal 3,0 mg/kg Blei, maximal 1,0 mg/kg Cadmium und maximal 0,1 mg/kg Quecksilber. Höher belastete Produkte müssen vom Markt genommen werden.

Ist ein hoher Fulvinsäuregehalt ein Qualitätsmerkmal?

Er ist kein Reinheitsnachweis. Ein verbindlicher Mindestgehalt ist nicht festgelegt, das Analyseverfahren hinter einer Prozentangabe wird praktisch nie genannt, und im EU-Register zugelassener Health Claims gibt es keinen Eintrag für Shilajit oder Fulvinsäure.

Woran erkenne ich ohne Test ein prüfbares Produkt?

An vier Angaben: ein aktuelles Analysenzertifikat eines unabhängigen Labors, eine Chargennummer darauf, die auch auf Ihrer Packung steht, Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen einzeln mit Messwerten, und die Menge pro Portion in Milligramm. Fehlt das Zertifikat, wissen Sie über den Inhalt nichts.

Quellen

Weiterlesen

Keine medizinische Beratung. Die Inhalte auf Testo-Journal dienen ausschließlich der Information. Konsultieren Sie immer Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, bevor Sie ein Nahrungsergänzungsmittel einnehmen oder bei anhaltenden Beschwerden. Siehe unseren vollständigen medizinischen Hinweis.