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Maca und Testosteron: mehr Lust, aber kein höherer Wert

Maca steigerte in kleinen Studien das sexuelle Verlangen, der Testosteronwert blieb dabei unverändert. Was die Studien messen, wie klein sie sind und was das BfR zur Sicherheit sagt.

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Worum es in diesem Ratgeber geht

Maca steigerte in kleinen Studien das sexuelle Verlangen, der Testosteronwert blieb dabei unverändert. Was die Studien messen, wie klein sie sind und was das BfR zur Sicherheit sagt. Das hier ist eine informative Einordnung, keine medizinische Beratung und kein Ersatz für das Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Wir benennen offen, was die Studienlage zeigt, und was nicht.

Die kurze Antwort

Maca wird fast überall als natürlicher Testosteron-Booster verkauft. Die Studien, auf die sich diese Werbung beruft, zeigen etwas anderes: Bei Männern, die Maca nahmen, stieg das sexuelle Verlangen, der Testosteronwert im Blut änderte sich aber nicht.

Das ist kein Widerspruch, sondern die eigentliche Aussage der Forschung. Wer Maca wegen der Lust nimmt, hat eine kleine, wenn auch dünne Datengrundlage. Wer damit einen niedrigen Testosteronwert anheben will, hat keine.

Dazu kommt eine zweite Einschränkung, die in Produktbeschreibungen selten steht: Alle Studien sind klein. Keine hatte mehr als einige Dutzend Teilnehmer, die kleinste nur acht.

Die Studie, die Lust und Hormone getrennt gemessen hat

Die meistzitierte Arbeit stammt von einer Forschungsgruppe der Universidad Peruana Cayetano Heredia in Lima und wurde in zwei Teilen veröffentlicht, 2002 in Andrologia und 2003 im Journal of Endocrinology. Gesunde Männer zwischen 21 und 56 Jahren erhielten zwölf Wochen lang 1,5 oder 3 Gramm gelatinisiertes Maca pro Tag oder ein Placebo. Nach der Darstellung des Bundesinstituts für Risikobewertung waren es 30 Männer in der niedrigeren und 15 in der höheren Dosisgruppe.

Ab der achten Woche berichteten die Männer in den Maca-Gruppen von mehr sexuellem Verlangen als unter Placebo. Die Forscher prüften dann, woher dieser Effekt kommen könnte. Weder die Werte für Depression und Angst noch die Spiegel von Testosteron und Östradiol erklärten ihn.

Im zweiten Teil wurden LH, FSH, Prolaktin, 17-Hydroxyprogesteron, Testosteron und Östradiol nach zwei, vier, acht und zwölf Wochen gemessen. Im Vergleich zu Placebo zeigte Maca bei keinem dieser Hormone eine Wirkung. Die Autoren formulieren das Ergebnis eindeutig: Maca verändert die Spiegel der Fortpflanzungshormone nicht.

Eine einzige Auffälligkeit nennt das BfR in seiner Zusammenfassung: Unter 3 Gramm am Tag stieg das 17-Hydroxyprogesteron vorübergehend an, eine Vorstufe in der Hormonbildung. Testosteron gehörte nicht dazu.

Bemerkenswert ist, dass genau diese Studie heute oft als Beleg für eine Testosteronwirkung angeführt wird. Sie hatte die Hypothese, dass Maca die Hormone nicht beeinflusst, und hat sie bestätigt.

Was die übrigen Studien zeigen

Eine italienische Studie von 2009 schloss 50 Männer mit leichter Erektionsstörung ein, die zwölf Wochen lang 2400 mg Maca-Trockenextrakt oder Placebo erhielten. In beiden Gruppen stieg der Wert im Erektionsfragebogen IIEF-5, unter Maca um 1,6 Punkte, unter Placebo um 0,5 Punkte. Die Autoren sprechen selbst von einem kleinen, aber signifikanten Effekt auf das subjektive Empfinden.

Eine britische Pilotstudie von 2009 untersuchte acht trainierte Radfahrer über jeweils 14 Tage. Das selbst eingeschätzte sexuelle Verlangen stieg unter Maca stärker als unter Placebo. Acht Teilnehmer und zwei Wochen sind für eine belastbare Aussage zu wenig, und die Autoren fordern selbst längere Studien mit mehr Freiwilligen.

Bei Frauen mit sexuellen Funktionsstörungen durch Antidepressiva testete eine Gruppe am Massachusetts General Hospital 2015 drei Gramm Maca pro Tag. 45 Frauen wurden randomisiert, die Remissionsraten lagen unter Maca etwas höher als unter Placebo, vor allem nach den Wechseljahren.

Eine systematische Übersicht von 2010 fand vier randomisierte Studien, die ihre Kriterien erfüllten, und kam zu einem vorsichtigen Urteil: begrenzte Hinweise auf eine Wirkung, aber zu wenige Studien, zu wenige Teilnehmer und zu geringe methodische Qualität für feste Schlüsse. Eine Übersicht von 2026 beschreibt bei Männern recht einheitliche Verbesserungen der Libido ohne nachteilige Veränderungen der Hormonwerte und hält ebenfalls weitere Forschung für nötig.

Teilnehmerzahlen der Maca-Studien: 50 Männer mit leichter Erektionsstörung, 45 Männer in den Maca-Gruppen der Studie aus Lima, 45 Frauen mit Funktionsstörung durch Antidepressiva, 8 Radfahrer. Keine Studie maß einen Anstieg des Testosterons.
Alle randomisierten Studien zu Maca sind klein. Die Hormonmessung der Studie aus Lima fand keine Veränderung.

Warum Lust und Testosteron zwei verschiedene Dinge sind

Viele Männer setzen nachlassende Libido mit niedrigem Testosteron gleich. Das passt manchmal, oft aber nicht. Lust hängt auch von Schlaf, Stress, Partnerschaft, Medikamenten und Stimmung ab, und sie kann sich ändern, ohne dass sich ein Hormonwert bewegt.

Die Studie aus Lima zeigt genau diese Trennung. Das Verlangen stieg, die Hormone blieben gleich, und auch die Werte für Stimmung und Angst erklärten den Effekt nicht. Wie Maca wirkt, falls der Effekt sich in größeren Studien bestätigt, ist bislang nicht geklärt.

Für die Praxis heißt das: Wenn die Lust nachlässt, sagt ein Präparat, das die Lust etwas hebt, nichts über den Hormonstatus aus. Bei anhaltender Müdigkeit, nachlassender Leistungsfähigkeit oder Erektionsproblemen ist ein Testosteronmangel eine eigene Frage, die nur eine Blutabnahme am Morgen beantworten kann.

Sicherheit und rechtlicher Status

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat Maca 2007 bewertet. In der Stellungnahme heißt es, systematische Untersuchungen fehlten. In einigen Tierversuchen wurden Wirkungen auf Geschlechtsorgane und Hormonhaushalt beobachtet. Konkrete Belege für unerwünschte Wirkungen beim Menschen ergaben sich nicht, die Datenbasis sei aber unzureichend. Eine unbedenkliche Verzehrsmenge lasse sich daraus nicht ableiten.

In der Studie aus Lima traten unter 1,5 und 3 Gramm am Tag keine anderen unerwünschten Wirkungen auf als unter Placebo. Das BfR merkt dazu an, dass die Studie nicht darauf ausgelegt war, Nebenwirkungen zu erfassen, und deshalb nur begrenzt aussagekräftig ist.

Im Handel werden gelbes, schwarzes und rotes Maca angeboten, oft mit unterschiedlichen Versprechen. Nach der Zusammenfassung des BfR zeigte in einem Tierversuch an Ratten nur rotes Maca niedrigere Prostatagewichte, gelbes und schwarzes nicht. Studien, die die Sorten beim Menschen auf Libido oder Hormone vergleichen, sind uns nicht bekannt. Eine Sorte als besonders testosteronwirksam zu bewerben, hat damit keine Grundlage.

Werbeaussagen zur Gesundheit sind in der EU an zugelassene Health Claims gebunden. Für Maca gibt es im EU-Register keinen zugelassenen gesundheitsbezogenen Claim, weder zu Testosteron noch zur Libido. Wer eine Packung in der Hand hält, die einen Hormoneffekt verspricht, liest also eine Aussage, die durch keine Zulassung gedeckt ist.

Für wen Maca eine Option sein kann

Die ehrliche Einordnung ist schmal. Maca kann bei einem Lustproblem einen Versuch wert sein, wenn man die dünne Studienlage kennt und keine großen Erwartungen hat. In den Studien wurden meist um die drei Gramm Pulver am Tag über mehrere Wochen verwendet, und der Effekt zeigte sich in der Studie aus Lima ab etwa der achten Woche.

Als Mittel gegen niedriges Testosteron ist Maca nicht geeignet. Wer das mit einem Kombipräparat versucht, bekommt in der Regel Maca neben Zink und weiteren Pflanzenextrakten. Wie diese Präparate insgesamt abschneiden, haben wir im Überblick zu den Boostern eingeordnet. Für Ashwagandha liegen Testosterondaten vor, die wir getrennt bewertet haben.

Schwangere, Stillende und Menschen mit hormonabhängigen Erkrankungen sollten wegen der unvollständigen Datenlage vorher ärztlichen Rat einholen. Wenn Beschwerden länger als einige Wochen bestehen, ist ein Gespräch in der Hausarztpraxis der bessere erste Schritt als jedes Pulver.

Häufige Fragen

Erhöht Maca den Testosteronspiegel?

Nach der vorliegenden Studienlage nicht. In einer zwölfwöchigen, placebokontrollierten Studie aus Lima mit 1,5 und 3 Gramm Maca pro Tag blieben Testosteron, Östradiol, LH, FSH und Prolaktin im Vergleich zu Placebo unverändert. Eine Übersicht von 2026 beschreibt ebenfalls keine nachteiligen Veränderungen der Hormonwerte.

Wirkt Maca auf die Libido?

In kleinen Studien ja. In der Studie aus Lima stieg das sexuelle Verlangen ab der achten Woche stärker als unter Placebo. Eine systematische Übersicht von 2010 wertete die Belege wegen weniger Studien und geringer Teilnehmerzahlen aber nur als begrenzt.

Wie viele Menschen wurden in den Maca-Studien untersucht?

Wenige. Die italienische Studie hatte 50 Teilnehmer, die Studie aus Lima nach Angaben des BfR 45 Männer in den Maca-Gruppen, eine Pilotstudie nur acht Radfahrer. Feste Schlüsse lassen diese Zahlen nicht zu.

Ist Maca sicher?

Das BfR fand 2007 keine konkreten Belege für unerwünschte Wirkungen beim Menschen, hält die Datenbasis aber für unzureichend und konnte keine unbedenkliche Verzehrsmenge ableiten. In Tierversuchen wurden Effekte auf Geschlechtsorgane und Hormonhaushalt beobachtet.

Wie lange dauert es, bis Maca wirkt?

In der Studie aus Lima zeigte sich der Effekt auf das Verlangen ab der achten Woche, in der italienischen Studie wurde nach zwölf Wochen gemessen. Ein Effekt nach wenigen Tagen ist durch die Daten nicht belegt.

Ist schwarzes oder rotes Maca wirksamer?

Dafür gibt es beim Menschen keine Belege. Unterschiede zwischen den Sorten sind vor allem aus Tierversuchen bekannt, etwa niedrigere Prostatagewichte bei Ratten unter rotem Maca. Vergleichende Studien zu Libido oder Hormonen beim Menschen sind uns nicht bekannt.

Quellen

Weiterlesen

Keine medizinische Beratung. Die Inhalte auf Testo-Journal dienen ausschließlich der Information. Konsultieren Sie immer Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, bevor Sie ein Nahrungsergänzungsmittel einnehmen oder bei anhaltenden Beschwerden. Siehe unseren vollständigen medizinischen Hinweis.